The day we leave Earth - Julie Gaston
Ein Film über Tod und Trauer in den Kulturen
Regisseurin Julie Gaston zu Gast im Trauermanager - Podcast "Das Schwere Leicht gesagt"
Gastgeber: Stefan Hund
Julie Gaston, die Regisseurin des Films "The Day We Leave Earth", ist heute zu Gast und wir tauchen tief in das komplexe Thema von Tod und Trauer ein. Der Film, der sich mit den menschlichen Ängsten und der Auseinandersetzung mit dem eigenen Ende befasst, ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Versuch, Menschen zu helfen, besser mit ihren Todesängsten umzugehen. Julie teilt ihre persönliche Reise, die sie durch eine Krebsdiagnose erlebt hat, und wie diese Erfahrung sie dazu motivierte, eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema zu wagen.
Wir sprechen über gesellschaftliche Unterschiede im Umgang mit Trauer und über die Bedeutung von Kultur und Spiritualität in diesem Prozess.
Begleite uns auf dieser emotionalen Erkundung, während wir uns den Fragen des Lebens und des Sterbens stellen und herausfinden, wie wir als Gesellschaft offener über diese Themen sprechen können.
Aktuell ist der Film in der Fertigstellung, wer hier noch finanziell mit dabei sein will, wendet sich gerne an Julie Gaston.
Kontakt zu Julie Gaston zum Thema Regie: https://les-gastons.com
Alles, was den Film inhaltlich, organisatorisch betrifft:
Bitte direkt an den Produzenten: Nico Drago - über info@the-day-we-leave-earth.com
Hier gehts zur Videoaufzeichnung auf YouTube: https://youtu.be/p8GaK8J_S_c -
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Wir sprechen über Themen rund um Trauer. Für Unternehmer, Führungskräfte und Betriebsräte.
- Hast Du eine Frage, die wir thematisieren sollen? Schreib uns: podcast@trauer-manager.de
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Impressum
Transcript
The Day We Leave Earth
Speaker:Heute geht es dieses Thema
Speaker:Tod, Trauer, Jenseitsvorstellungen
Speaker:und ich kann jetzt schon verraten, es gibt bald einen Film.
Speaker:Und die Produzentin ist
Speaker:heute bei mir im Gespräch.
Speaker:Liebe Hörerinnen und Hörer, eine neue Folge von das Schwere leicht
Speaker:gesagt. Mein Name ist Stefan Hund, der Trauermanager.
Speaker:Und wenn euch diese Folge gefallen hat,
Speaker:dann leitet sie gerne weiter. Wenn ihr Fragen habt, schickt uns
Speaker:gerne eine Anfrage, eine Mail unter
Speaker:podcast-trauer-manager.de.
Speaker:Ja, und jetzt sage ich einfach mal, los geht's.
Speaker:Meine Gesprächspartnerin heute ist Julie Gaston.
Speaker:Liebe Julie, ganz herzlich willkommen. Vielen, vielen Dank für
Speaker:deine Einladung. Und ich hatte zu Beginn schon eine kleine
Speaker:Korrektur. Ich bin nicht die Produzentin, sondern die Regisseurin des Films.
Speaker:Okay. Das heißt, ich organisiere den Film künstlerisch und
Speaker:nicht, sagen wir mal, buchhaltig oder organisatorisch
Speaker:Management. Das macht dann der Nico Drago. Ah, okay. Aber ich sag
Speaker:mal so, dann bist du ja noch näher dran, denn du hast die
Speaker:inhaltlichen Fäden in der Hand. Genau.
Speaker:Ich habe mir das sozusagen ausgedacht und habe ganzen Interviews
Speaker:geführt, die ganzen Reisen gemacht. Ich war immer ganz nah dran an dem Film und
Speaker:an den Inhalten. Wie ist das?
Speaker:Trauer, Tod ist eigentlich kein sexy Thema, oder?
Speaker:Wie bist du zu dem Thema gekommen? Ja, das ist tatsächlich...
Speaker:Ja, ich würde es auch nicht als sexy Thema beschreiben. Und ich glaube, das ist
Speaker:auch nichts, wo man jetzt denkt, das macht eine junge Frau. Es hatte bei
Speaker:mir tatsächlich persönliche Gründe. Ich habe vor vier Jahren
Speaker:eine Krebsdiagnose bekommen. Und ich war dann das erste Mal konfrontiert mit meiner
Speaker:eigenen Sterblichkeit auf eine sehr unschöne Weise
Speaker:und ich habe dann natürlich auch sehr viel Zeit verbracht in
Speaker:onkologischen Praxen und Wartezimmern und so weiter
Speaker:Und habe mich viel mit Menschen unterhalten, auch in Selbsthilfegruppen und
Speaker:gemerkt, das größte Problem oder das, was die
Speaker:Menschen am meisten belastet, wenn sie Krebs bekommen oder eine Krebsdiagnose
Speaker:haben, ist gar nicht mal so das Körperliche. Also die
Speaker:Therapien sind auch schon blöd und so und die OPs,
Speaker:aber das Hauptding ist die Angst. Und darunter unter den ganzen
Speaker:Ängsten, die dann aufkommen, hauptsächlich die Todesängste.
Speaker:Und ich hatte einen tollen Lehrer während
Speaker:meiner Studienzeit. Ich habe ein Semester einen Kurs
Speaker:gemacht bei Werner Herzog und der hat in seinem Kurs
Speaker:gesagt, wenn man ein Problem erkennt und nichts dafür tut, dass das
Speaker:Problem sich löst, dann ist man Teil des Problems. Und so saß
Speaker:ich dann in den Wartezimmern, weil das hat sich bei mir wirklich eingebrannt, so
Speaker:laufe ich quasi als Künstlerin auch so ein bisschen rum, und habe überlegt,
Speaker:kann ich irgendwas tun,
Speaker:dieses Problem mit den Todesängsten anzugehen.
Speaker:Und dachte mir, gut, ich bin jetzt Filmschaffende, ich habe das Handwerkszeug,
Speaker:einen Film zu machen. Ist es möglich, mit einem Film
Speaker:Menschen zu helfen, mit ihren Todesängsten umzugehen? Und
Speaker:so ist die Idee entstanden, und so ist der Film quasi entstanden, aus diesem
Speaker:Mindset heraus.
Speaker:Bei den Todesängsten frage ich gerade noch mal nach.
Speaker:Eigentlich, auch wenn es keinem bewusst ist,
Speaker:bei jedem läuft doch die Uhr. Ja. Aber auf einmal
Speaker:macht es Gong und du siehst da oben dann möglicherweise auch die
Speaker:Uhr, denn 500.000 neue Krebsdiagnosen
Speaker:jedes Jahr kommen dazu. In Deutschland sterben jedes
Speaker:Jahr seit 2021 über eine Million Menschen
Speaker:und davon sind 140.000 im erwerbsfähigen
Speaker:Alter. Wie ist
Speaker:das in diesem Moment? Wird einem da die
Speaker:Endlichkeit nochmal bewusster? Also
Speaker:total. Ich meine, ich muss sagen, ich habe jetzt mit 27 vorher
Speaker:nicht wirklich jemals über meinen eigenen Tod nachgedacht.
Speaker:Also ich hatte ganz andere Gedanken. Karriere, Familie,
Speaker:Haus, was auch immer. Was man alles so macht, wenn man mitten im Leben steht
Speaker:und dann kriegt man so gesagt, ja möglicherweise hast du nicht
Speaker:mehr die Zeit für deine ganzen Träume. Möglicherweise hast du die
Speaker:auch. Man weiß ja nie, wie es ausgeht. Bei mir sieht es ja gut aus
Speaker:glücklicherweise, das kann ich ja auch sagen. Toll, toll, toll. Ich bin
Speaker:aktuell tumorfrei und mir geht's gut, aber das weiß man halt
Speaker:nie und kann sich auch jederzeit ändern.
Speaker:Aber dieses Bewusstsein, glaube ich, hätte ich sonst
Speaker:auch nicht so stark in so einem jungen Alter gehabt. Also es
Speaker:ist vielleicht auch mal so, wenn man jetzt vielleicht einen guten Freund oder eine Freundin
Speaker:im gleichen Alter verliert, dass das einen auch damit in Kontakt bringt.
Speaker:Aber ich glaube so in unserer Gesellschaft ist es nicht so ein Standardding,
Speaker:was jeder so auf dem Schirm hat. Also gerade so im jüngeren Alter
Speaker:eigentlich ist das ganz ganz weit weg. Und oft ist es ja auch ganz
Speaker:weit weg. Oft hat man ja 80 Jahre, aber letztendlich hat man keine
Speaker:Garantie dafür. Es muss ja nicht unbedingt nur eine Krankheit sein, es kann ja ein
Speaker:Unfall sein. Es gibt ja hundert mögliche Weisen, was
Speaker:einem alles so passieren kann. Und das hat man
Speaker:wirklich im jungen Alter nicht so im Bewusstsein. Also ist meine Beobachtung
Speaker:zumindest. Ja, ich weiß,
Speaker:wir sind altersmäßig ein bisschen auseinander, aber bei uns war es damals zum
Speaker:Abitur. Im Endeffekt wurde uns
Speaker:damals gesagt, jetzt habt ihr die Welt liegt vor euch, ihr habt jetzt einen großen
Speaker:Freipaatschein und jetzt macht einmal. Ich weiß noch, ob das bei dir genauso
Speaker:war und dann auf einmal haut da einer auf die Bremse.
Speaker:Ja, so war das. Ich habe gerade mein Diplom gemacht.
Speaker:Ich habe wahnsinnig viele Pläne gehabt, was ich jetzt alles machen will.
Speaker:Und dann war erstmal jeder Plan... Ich sage mal so, wie wertvoll
Speaker:Gesundheit ist, das versteht man erst, wenn man sie genommen, also wenn man sie
Speaker:nicht mehr hat. Wenn sie einem genommen wurde, dann versteht man, dass alles
Speaker:andere ist komplett unwichtig. Jedes Karriereziel im Endeffekt ist
Speaker:unwichtig, wenn du dein Leben bangst. Und
Speaker:dann wurde das Wichtigste irgendwie erst mal gesund werden und jetzt
Speaker:gesund bleiben natürlich. Aber es
Speaker:gab einem schon so einen richtigen Dämpfer, so eine richtige
Speaker:Vollbremsung in meinen ganzen
Speaker:Gedanken von, wie mein Leben aussehen könnte. Jetzt
Speaker:frage ich einfach mal ganz direkt, weil das bei manchen einfach
Speaker:auch in Unternehmen immer wieder ein Thema ist. Wie ging es dir
Speaker:damals, als du die Diagnose bekommen hast,
Speaker:hast du dann im Endeffekt bildlich vor dir schon die große
Speaker:Kiste gehabt? Hast du damit schon so direkt,
Speaker:will nicht gerade sagen abgeschlossen, oder zumindest dass die so
Speaker:aufblinkte? Viele sagen ja in dem Moment,
Speaker:bin ich da so, oder auch wenn es meinen Partner betrifft, bin ich da
Speaker:so rausgeschmissen, dass das eigentlich
Speaker:schon ein ganz großes Damoklesschwert ist, was da über mir schwebt.
Speaker:Also ich glaube, das ist so, es hat so mehrere Ebenen. Also als ich
Speaker:die Diagnose bekommen habe, so das erste, sag ich mal, die erste
Speaker:Intuition, das erste Bauchgefühl war, ja, das ist jetzt echt blöd,
Speaker:aber ich schaffe das irgendwie. Und dann
Speaker:kamen natürlich die ganzen Untersuchungen und Arztgespräche.
Speaker:Ich bin wirklich dankbar für die Medizin, die es in Deutschland gibt und die medizinische
Speaker:Versorgung und alles. Und ich bin sicher, die Ärzte meinten es auch nicht böse,
Speaker:aber die haben mir schon wirklich sehr, sehr viel Angst gemacht mit dem, was sie
Speaker:gesagt haben. Und
Speaker:dann kamen halt ganz viele Ängste auf. Und wenn man dann noch den
Speaker:großen Fehler macht, das sollte man niemals tun, seine Diagnose
Speaker:googeln, dann vielleicht auch noch Berichte finden, die sind
Speaker:vielleicht zehn Jahre alt und dann merkt,
Speaker:wie absolut schrecklich diese Diagnose ist, dann genau, dann
Speaker:passiert es schon, dass man so denkt, keine Ahnung.
Speaker:Und dann gibt es auch immer, also das ist auch sehr faszinierend, es gibt
Speaker:dann immer, egal mit wem du redest, der dann irgendwie rausfindet, dass
Speaker:du so eine Diagnose hast. Also das Erste, was den Leuten immer dazu
Speaker:einfällt, ist, wen sie schon alles kennen, der an Krebs gestorben ist. Also das ist
Speaker:wirklich faszinierend, wo ich mir jedes mal durchdenke,
Speaker:warum hast du mir das jetzt erzählt? Also soll ich mir das jetzt nicht nachdenken?
Speaker:Oder was war jetzt die Intention? Und ich glaube, oft ist es
Speaker:einfach eine sehr große Hilflosigkeit. Und die Menschen wissen gar
Speaker:nicht, was sie zu uns sagen sollen.
Speaker:Und ich kann sagen, es gab, ich habe eine
Speaker:Verwandte, die hat auch fünf Jahre vor mir eine Krebsdiagnose bekommen
Speaker:und die hat mir einfach nur geschrieben, sei zuversichtlich.
Speaker:Das war wirklich eine der Nachrichten. Das hat mir so gut getan. Das waren zwei
Speaker:Worte. Aber das war in dem Moment so einfach, wo ich dachte so,
Speaker:ja, genau, Zuversicht. Das ist das, was ich jetzt brauche. Ich
Speaker:brauche keine Horror-Stories von Leuten, die gestorben sind oder die ganz schlimme
Speaker:Therapien hatten oder denen die Fingernägel ausgefallen sind von der Chemo,
Speaker:sondern was ich jetzt brauche ist Zuversicht. Und
Speaker:ja, ich glaube da ist euer Ansatz von dem, was du mir eben
Speaker:erzählt hast, was ihr machen wollt, schon super, einfach Menschen auch
Speaker:sowas an die Hand zu geben. Wie kann ich mich verhalten?
Speaker:Ich weiß nicht, ob es da 100 Prozent so Rezepte gibt, weil Menschen sind ja
Speaker:ganz unterschiedlich. Und gerade auch, wenn man aus einer anderen
Speaker:Kultur kommt oder einer anderen Religion kommt, dann braucht man vielleicht auch wieder andere
Speaker:Sachen, die dann einem helfen. Aber so ein genereller
Speaker:Red Flag Katalog nenne ich das jetzt mal, das machst du auch bitte auf gar
Speaker:keinen Fall. Ich glaube, das ist dringend nötig. Also das braucht man.
Speaker:Also wir zeigen in erster Linie, wo ich sage mal die ganz
Speaker:großen Steine sind, die man auf jeden Fall beachten
Speaker:sollte. Wenn man diese alle im Blick
Speaker:hat und so viel sind es nicht, dann hat man doch
Speaker:80 Prozent der Miete Und gemäß Pareto sind da noch
Speaker:20 Prozent und da kann man manches auch entschuldigen, wenn die
Speaker:80 Prozent stimmen. Absolut. Aber du hast eben
Speaker:schon mal das Stichwort reingebracht interkulturell.
Speaker:Und da sind wir auch bei deinem Filmprojekt.
Speaker:Wie ist das für dich, wenn du jetzt aus verschiedensten Kulturen
Speaker:auf das Thema Sterben oder eben halt
Speaker:The Day We Leave Earth drauflegst?
Speaker:Also ich, für mich empfand ich das als unglaublich
Speaker:bereichernd und es hat auch sehr viel von
Speaker:meiner Perspektive verändert. Weil wenn man hier
Speaker:in Deutschland aufwächst und Man kennt ja nur dann
Speaker:vielleicht die Trauerkultur, wie sie in Deutschland ist. Und auch der
Speaker:Umgang mit dem Tod ist ja auch so ein bisschen... Wie soll ich sagen? Das
Speaker:Sterben ist so das Allerschlimmste, was einem passieren kann. Das muss man auf jeden Fall
Speaker:verhindern, mit aller Gewalt. Und wenn man dann mal in
Speaker:andere Länder fährt, wo es vielleicht auch einen stärkeren Bezug gibt zur
Speaker:Spiritualität oder zum Glauben oder einfach
Speaker:auch kulturelle Vorstellungen, was nach dem Tod kommt, dann merkt man,
Speaker:dann ist der Umgang ein völlig anderer.
Speaker:Also ich glaube, keiner stirbt gern und Ich glaube, wir haben alle einen Organismus
Speaker:mit einem sehr starken Überlebensdrang. Aber dieser
Speaker:Umgang gesellschaftlich ist schon sehr anders. Also wir waren
Speaker:beispielsweise in Nepal Und
Speaker:man kann es auch nicht über einen Kamm scheren. Ich habe gedacht, wir fahren nach
Speaker:Nepal, alle Menschen dort glauben an Reinkarnation, sind buddhistisch oder
Speaker:hinduistisch. Es ist dort genau wie bei uns, es gibt ganz
Speaker:individuelle Glaubensvorstellungen. Also da gibt es schon den
Speaker:Hang, dass die Menschen eher in die Richtung Karma und Wiedergeburt
Speaker:kommen. Es gibt auch sehr viele, die glauben da nicht dran oder die haben eigene
Speaker:Vorstellungen. Also es ist überall auf der Welt divers, das kann ich jetzt schon mal
Speaker:sagen. Aber generell kann man schon beobachten, dass Menschen,
Speaker:die zum Beispiel jetzt an eine Wiedergeburt glauben,
Speaker:ganz anders mit dem Thema Tod umgehen. Zum Beispiel
Speaker:waren wir dort auf einer öffentlichen Kremierung.
Speaker:Da kann man sich vorstellen, da wird
Speaker:wirklich die Leiche auf eine Art Scheiterhaufen gelegt.
Speaker:Also ich sag das jetzt mal ganz unkompliziert. Holzrost oder Stahlrost,
Speaker:ja. Genau, so ein Stahlrost, da kommt dann Holz und dann ohne
Speaker:Tuch drüber oder gar nichts. Also man sieht wirklich die komplette Leiche und wie sie
Speaker:verbrennt. Und alle Menschen stehen drumherum und schauen sich das an. Die schauen
Speaker:wirklich ganz genau hin. Selbst die kleinen Kinder kommen und laufen und gucken. Es ist
Speaker:überhaupt nicht so, in den Ofen eine Stahltür davor und wir wollen das
Speaker:alle gar nicht sehen. Und das ist ganz weit von der Welt, was hier in
Speaker:Deutschland oft wahrnimmt. Sondern das ist, Wir gucken ganz genau hin. Und wenn
Speaker:der Mensch verbrannt ist, dann wird es einfach in den Wind gekehrt. Es gibt keinen
Speaker:Friedhof. Weil der Körper wird jetzt nicht mehr gebraucht. Die
Speaker:Seele ist jetzt woanders. Die inkarniert jetzt woanders rein.
Speaker:Und es ist natürlich extrem schmerzhaft. Und die Menschen dort haben auch sehr
Speaker:lautstark getraut, also wirklich Zusammenbrüche und richtig voller
Speaker:Tränen, das wird man sich ja auch niemals trauen, so auf dem Boden zu
Speaker:liegen und zu schreien, ja. Das ist dort also vollkommen
Speaker:normal, aber gleichzeitig ist auch vollkommen normal, dass Menschen neben dem
Speaker:Feuer stehen und lachen. Weil sie sich vielleicht eine schöne
Speaker:Erinnerung erzählt haben von der Person. Das ist nur so ein
Speaker:Beispiel, wie ich gemerkt habe, unsere Prägung, wie wir hier damit
Speaker:umgehen, das ist nur ein Weg von vielen. Und das heißt nicht, dass es der
Speaker:richtige Weg ist. Das heißt auch nicht, dass es irgendwie immer so bleiben
Speaker:muss. Also ich glaube, da kann man schon so eine
Speaker:Offenheit entwickeln. Zu sagen, okay,
Speaker:ja, wie kann man auch sonst, wie kann man auf andere Weise trauern oder
Speaker:Abschied nehmen oder mit dem Tod umgehen. Und
Speaker:ja, genau wie ich schon sagte, es hat einen sehr großen gesellschaftlichen Impact.
Speaker:Also die Menschen verhalten sich ganz anders.
Speaker:Das ist nur ein Beispiel von vielen natürlich jetzt aus den Fällen.
Speaker:Da, wie gesagt, wenn du in den asiatischen Bereich
Speaker:guckst, dann hast du eben halt ganz klar die
Speaker:eher die Reinkarnation. Wenn du auf der anderen Seite
Speaker:nach nach Mexiko guckst, hast du noch mal, bist
Speaker:du auf der anderen Seite der Lebendigkeit.
Speaker:Ja, oder auch in Peru, wo es dann auch ganz normal ist, dass man den
Speaker:Verstorbenen einfach, sagen wir mal, spirituelle Gaben mit ins Grab
Speaker:legt, einfach mit diesem Bewusstsein. Die kommen dann woanders hin,
Speaker:die sind in einer anderen Dimension, die nehmen das mit, die brauchen das da.
Speaker:Also es ist schon spannend, ehrlich gesagt, wie viel so eine
Speaker:Jenseitsvorstellung tatsächlich verändert. Und
Speaker:ich glaube, dass es auch für Menschen in Deutschland ganz
Speaker:spannend ist, weil wir leben ja auch mittlerweile in einem sehr multikulturellen
Speaker:Gesellschaft, also je nachdem, wo man wohnt. Ich habe jetzt zwölf Jahre in Offenbach gewohnt.
Speaker:Da leben 182 verschiedene Nationen in einer Staate.
Speaker:Und ich habe es sehr, sehr geliebt. Und da ist es natürlich
Speaker:auch spannend, irgendwie zu nachzuvollziehen,
Speaker:wie unterschiedlich mit Trauer umgegangen wird. Und ich glaube, das ist auch für
Speaker:Unternehmer oder für Unternehmen gut zu
Speaker:wissen, dass es da ganz verschiedene Rituale gibt,
Speaker:ganz verschiedene Umgangsformen. Es gibt Kulturen, Religionen, in denen
Speaker:es ist komplett verpönt, öffentlich zu trauern. Also ja, zum
Speaker:Beispiel in vielen muslimischen Richtungen ist es also nicht bei allen.
Speaker:Gern, aber da ist es so, wenn man lautstark trauert, dann ist das quasi
Speaker:so ein Anklagen von Gott und das ist gar nicht
Speaker:erwünscht. Also trauern ganz leise und möglicherweise so, dass keiner
Speaker:sieht, weil nicht, dass man dann irgendwie an Gott zweifelt.
Speaker:Und in anderen Fällen ist es so, das muss ganz lautstark gemacht
Speaker:werden und eine Woche lang wird nur geweint.
Speaker:In manchen Fällen ist es so, die Bestattung findet am gleichen oder am nächsten Tag
Speaker:statt. Und wenn jemand stirbt, dann muss der sofort los.
Speaker:Und in anderen Fällen hat das dann Zeit. Also ich glaube, dass man da so
Speaker:eine Haltung entwickelt, in der man das auch ernst
Speaker:nimmt. Und dass irgendwie so eine Trauer auch nicht etwas
Speaker:ist, was optional ist oder wo man denkt, ach, ich sage das jetzt mal in
Speaker:meinen Worten, die Person funktioniert jetzt gerade nicht so richtig gut.
Speaker:Dass sie wirklich eine große Priorität hat,
Speaker:dass man der Trauer von den Menschen einen Raum gibt und dass man
Speaker:die ernst nimmt und dass die nicht irgendwie sowas ist wie, ich muss jetzt
Speaker:morgen zur Beerdigung meines Vaters in die Türkei fliegen. Das ist nicht optional, das ist
Speaker:nicht wie eine Hochzeit oder irgendwas, wo man sagt, na gut, wenn du es verpasst,
Speaker:das ist halt jetzt mal blöd für dich, aber wir haben jetzt gerade hier wichtige
Speaker:Projekte und du kannst jetzt nicht gehen, sondern zu verstehen, so einen Trauerprozess,
Speaker:den nicht zuzulassen, das hat wirklich sehr, sehr große Konsequenzen
Speaker:teilweise. Und die müssen sich bewusst dann
Speaker:beschreiben, denn das haben viele nicht im Blick. Also
Speaker:es gibt ja auch manche, die drücken gerade die Trauer weg nach dem Motto, ich
Speaker:muss jetzt hier funktionieren, warum auch immer. Und
Speaker:dann in der Regel ein halbes Jahr später machst du Batsch. Genau,
Speaker:damit es eben genau nicht Batsch macht. Ich habe das bei
Speaker:mir gemerkt. Ich habe jetzt natürlich nicht getrauert im Sinne von, dass ich jemanden
Speaker:verloren habe, einen Angehörigen, sondern ich habe so ein bisschen mich selber getrauert,
Speaker:mein eigenes Leben getrauert. Und ich war damals auch angestellt.
Speaker:Und ich vergesse es nie, einen Tag nach meiner Lymphknotenentfernung,
Speaker:also nach so einer Krebsdiagnose schaut man dann, wie stark hat sich das betreitet.
Speaker:Und ich musste dann relativ schnell ins Krankenhaus und müsste lymphknotenentfernt
Speaker:werden. Und einen Tag wirklich später, morgens 8, rief mich
Speaker:damals meine Vorgesetzte an und meinte, ja,
Speaker:sie braucht jetzt mal ganz schnell diese Datei von mir. Und ich sagte, ja, ich
Speaker:bin im Krankenhaus, ich bin gestern operiert worden, ja, Wieso ich meinen Arbeitsrechner
Speaker:nicht dabei hätte? Als wäre das was ganz Selbstverständliches.
Speaker:Als wäre das ein Unding, dass ich so egoistisch bin und im Krankenhaus bin,
Speaker:während da dringende Projekte gemacht werden. Das hat dazu
Speaker:geführt, dass ich da nicht mehr arbeiten konnte, weil ich mich so
Speaker:respektlos verhält. Fertig hab. Genau, ich hab einfach so gespürt,
Speaker:da ist überhaupt keine Menschlichkeit und kein Interesse an mir.
Speaker:Und Ich konnte einfach dann überhaupt nicht mehr wertschätzen. Also diese komplette
Speaker:Firma war für mich dann so, mit dem ganzen
Speaker:Nachhaltigkeits- und Gendern, alles was wir tun, damit alle inkludiert
Speaker:sind, damit alle sich wohlfühlen, ist dann im entscheidenden Moment die Menschlichkeit
Speaker:komplett abhandengekommen. Und
Speaker:da ging es bei mir wirklich so schlecht, dass ich dann nicht mehr hingehen konnte.
Speaker:Und ich glaube, das passiert auch vielen Trauernden, wenn sie ihre Trauer
Speaker:nicht zulassen können oder darum nicht gesehen werden. Dann versucht man zu funktionieren. Ich
Speaker:habe das damals ja auch untergeschluckt. Ich hab gedacht, verdammt, wie komm ich jetzt im
Speaker:Krankenhaus an meinen Arbeitsrechner und so. Und hab dann
Speaker:alles in Bewegung gesetzt, dass die ihre Dateien bekommen. Aber
Speaker:letztendlich hat es dazu geführt, dass ich nicht richtig heilen konnte, dass ich nicht
Speaker:richtig wieder in meine Kraft gekommen bin, sondern einfach es
Speaker:überspielt habe, dass ich diesen Schock habe und dann wie so eine
Speaker:Maschine immer weiter in meine eigene Schwäche gelaufen bin. Es hat
Speaker:sehr lange gedauert, mich davon zu erholen tatsächlich. Und das
Speaker:beobachte ich auch einfach viel.
Speaker:Ja, also es gibt Untersuchungen, wonach jede neunte
Speaker:oder jede achte Fachkraft gründigt, wenn sie sowas erlebt.
Speaker:Ja. Ja, und ja, das ist die Konsequenz.
Speaker:Ja. Genau, und ich glaube, da ist die
Speaker:Lösung einfach, oder die Chance in
Speaker:dem Thema ist, dass wir uns wieder als Menschen betrachten und
Speaker:wirklich mal hinterfragen, ob das, was gerade so dringend und so wichtig
Speaker:ist, im Angesichts dieser Situation der Sterblichkeit,
Speaker:der Endlichkeit, dann wirklich so wichtig ist. Oder ob es nicht dann
Speaker:doch einen Tag Zeit hat oder jemand anderes übernehmen kann oder wie auch
Speaker:immer. Ja, ganz klar. Ganz klar.
Speaker:Würde ich gerne nochmal so zum abschluss gucken
Speaker:was würdest du empfehlen einer führungskraft
Speaker:am besten so diese frage stellen was
Speaker:brauchst du jetzt und welche
Speaker:ich sag mal Rituale der
Speaker:Unterstützung brauchst du jetzt? Würdest du sagen,
Speaker:geh direkt ins Gespräch, du bekommst es von der trauernden
Speaker:oder betroffenen Seite gesagt? Oder wie würdest du damit umgehen?
Speaker:Das ist eine ganz interessante Frage und ich glaube, das kann man vielleicht
Speaker:nicht so pauschal sagen, weil Menschen natürlich auch ganz unterschiedlich sind.
Speaker:Manche sind extrovertiert, die können vielleicht auch sofort darüber sprechen.
Speaker:Andere sind eher introvertiert und können das vielleicht dann in dem Moment
Speaker:nicht oder sind gerade auch noch so in einem Schock oder in
Speaker:einem Zustand, dass sie gar nicht jetzt darüber reden können oder vielleicht auch
Speaker:gar nicht wissen, was sie brauchen. Und ich glaube, das ist so,
Speaker:wahrscheinlich ist da so eine Mischung gefordert. Und das ist natürlich schwer aus,
Speaker:also so Fingerspitzengefühl für einen Mensch, also einfach Menschen vor mir zu
Speaker:sehen und nicht die Arbeitskraft und zu schauen, okay,
Speaker:was habe ich da für einen Mensch und wie kann ich normalerweise mit ihm
Speaker:umgehen? Was könnte der brauchen?
Speaker:Und ich glaube, ehrlich gesagt, was vielleicht fast alle Menschen brauchen,
Speaker:ist Zeit. Einfach einen gewissen Zeitraum,
Speaker:das zu verarbeiten, dass ein Angebot da ist für ein Gespräch,
Speaker:aber kein Druck da ist für ein Gespräch. Dass man einfach
Speaker:jemandem einfach diesen Raum dann mal gibt und ihm auch das Gefühl gibt,
Speaker:egal was du jetzt gerade brauchst, es ist schon okay und wir gucken, dass wir
Speaker:dich irgendwie dabei unterstützen. Und nicht im Sinne von, du
Speaker:musst jetzt möglichst schnell wieder funktionieren. Ich glaube, das wäre so
Speaker:das, was ich mitgeben würde. Menschen nicht als
Speaker:Maschine zu betrachten, sondern so einfach wirklich als
Speaker:ganz emotionales, zerbrechliches Wesen, was der Mensch auch einfach ist.
Speaker:In solchen Faschen. Irgendwann kommt
Speaker:der Tag. The day we leave earth. Genau.
Speaker:Und ich sage mal ganz, ganz herzlichen Dank für deine Einblicke. Und ich gehe mal
Speaker:davon aus, dass euer Film möglicherweise dieses Jahr
Speaker:oder Anfang nächstes Jahr dann in wahrscheinlich Programmkinos
Speaker:kommt. Also erstmal sind wir noch
Speaker:dabei den fertig zu stellen. Das heißt, wir haben noch acht Drehtage offen, die jetzt
Speaker:noch gedreht werden sollen und dann kommt noch eine große Postproduktionsphase.
Speaker:Das heißt, wir rechnen damit, dass wir Ende nächsten Jahres
Speaker:die Kinopremiere haben. Also es soll auf Festivals kommen, Kino kommen und
Speaker:wir haben tatsächlich auch schon einen Sendeplatz auf Arte.
Speaker:Aber woran es bei uns jetzt gerade noch so ein bisschen hakelt, ist, dass wir
Speaker:den letzten Teil des Films finanziert bekommen. Und das ist vielleicht an der Stelle
Speaker:ja auch nochmal interessant. Das nehmen wir auf jeden Fall in die Shownotes
Speaker:rein. Wer sich da engagieren will, ist natürlich dazu
Speaker:eingeladen. Sehr gerne, ja. Und
Speaker:ja, ich sage einfach mal ganz herzlichen Dank.
Speaker:Und vielleicht sehen wir uns in einem Jahr wieder, wenn der Film draußen ist. Sehr
Speaker:gerne, dann sprechen wir mal darüber. Schön, Vielen, vielen
Speaker:Dank. Liebe Hörerinnen und Hörer, herzlichen Dank fürs
Speaker:Zuhören. Und wenn euch diese Episode gefallen hat, sagt es
Speaker:uns direkt, teilt sie uns oder schreibt uns auf podcast-manager.de.
Speaker:Untertitel von Stephanie Geiges