Breaking the Silence: Suizid des Vaters
Breaking the Silence - Suizid des Vaters
Katharina Esser im Trauermanager Podcast
Gastgeber: Stefan Hund
1/15 Katharina Esser spricht über den schwierigen Übergang vom Überleben nach einem Todesfall zu einem funktionierenden Alltag und die Bedeutung von Abwechslung in der Trauer. 🌿🖤
2/15 Trauer hat viele Gesichter. Humor und positive Erinnerungen haben ihren Platz in Trauergesprächen – und sie sind erlaubt! Es ist ok, zu lachen und sich an schöne Momente zu erinnern. 😊💌
3/15 Bei Suizidfällen ist es essentiell, die Kommunikation immer in Übereinstimmung mit der Familie zu gestalten und deren Wünsche zu respektieren. Zusammenhalt in schweren Zeiten ist das A und O. 🤝
4/15 Wie informiert man Mitarbeitende über den Verlust eines Kollegen? Persönliche Gespräche sind wichtig, um Unterstützung anzubieten und Raum für Trauer zu schaffen. 🌸
5/15 Der Umgang mit dem Tod eines Kollegen kann weitreichende Auswirkungen auf das Employer Branding haben. Eine wertschätzende Trauerkultur ist entscheidend für die Firmenkultur. 🏢✨
6/15 Mangelnde Sensibilität in der Kommunikation kann zu Unmut und sogar Kündigungen führen. Unternehmen müssen lernen, mit Feingefühl zu kommunizieren. 🗣️💔
7/15 Unternehmen sollten eine Kultur fördern, die Wertschätzung und Miteinander betont. Eine gute Trauerkultur ist integraler Bestandteil der Gesamtunternehmenskultur. 💼🧡
8/15 Führungskräfte sollten auf Verhaltensänderungen achten, die auf mögliche Suizidgefahr hindeuten. Ein plötzlicher Stimmungsumschwung kann ein Warnsignal sein. 🚩
9/15 Auch bei den besten Vorsätzen kann es Situationen geben, in denen Hilfe nicht mehr möglich ist. Es ist wichtig, dies zu akzeptieren und sich selbst keinen Vorwurf zu machen. 🌷
10/15 Der Gastgeber, Stefan Hund, diskutiert mit Katharina Esser das Thema „Wie findet man nach einem Suizid zurück zur Arbeit?“ Katharina teilt ihre persönlichen Erfahrungen. 💬🎙️
11/15 Katharina Esser spricht über den Suizid ihres Vaters und die anschließenden Gefühle von Schock und Überforderung. Sie betont die Wichtigkeit, über psychische Gesundheit zu sprechen. 🧠💭
12/15 Viele Menschen zeigen vor einem Suizid Frühwarnzeichen. Direkte Gespräche und offene Kommunikation sind entscheidend. Die meisten Menschen wollen, dass ihnen geholfen wird. 🗨️🤝
13/15 Oft möchten Menschen, die an Suizid denken, nicht sterben, sondern einfach aus ihrer belastenden Situation herauskommen. Aufmerksamkeit und Gesprächsangebote können unterstützen. 💬💞
14/15 Hinterbliebene von Suizid kämpfen oft mit komplexen Gefühlen wie Wut, Scham und Schuld. Empathie und Sensibilität im Umgang mit Trauernden sind unverzichtbar. 🌼💔
15/15 Lasst uns eine Welt schaffen, in der wir offen über Suizidgedanken sprechen können. Danke, dass ihr diesen wichtigen Thread gelesen habt. Sprecht darüber, es könnte Leben retten. 💜 #Trauer #MentalHealth #Suizidprävention
📞 Seid ihr oder jemand, den ihr kennt, in einer Krise? Sucht sofortige Hilfe und sprecht mit jemandem. 💖
Gerne könnt Ihr auch uns schreiben unter podcast@trauer-manager.de
Danke für die Offenheit und das Gespräch
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Wir sprechen über Themen rund um Trauer. Für Unternehmer, Führungskräfte und Betriebsräte.
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Impressum
Transcript
Nach einem Suizid wieder auf die Arbeit kommen, wieder in die Arbeit kommen.
Speaker A:Darum geht es heute.
Speaker A:Das schwere leicht.
Speaker A:Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, herzlich willkommen bei einer neuen Runde.
Speaker A:Mein Name ist Stefan Hund, der Trauermanager, und ich freue mich heute Katharina Esser hier bei mir im Gast hier zu Gast zu haben.
Speaker A:Du hast leider mit dem Thema deine Erfahrungen machen müssen.
Speaker A:Ich freue mich aber, dass du da bist, dass du darüber redest und dass du, und ich denke einfach auch anderen mit Mut machst.
Speaker A:Schön, dass du da bist, liebe Katharina.
Speaker B:Hallo Stefan, vielen Dank, dass ich hier sein darf und über dieses doch schwere Thema sprechen darf.
Speaker B:Vielen Dank dafür.
Speaker A:Ich würde gerne mit dir ganz am Anfang auch unsere Zuhörer dahin mitnehmen.
Speaker A:Wie war das damals?
Speaker A:Was ist da eigentlich passiert?
Speaker A:Was hast du in dem Moment erlebt?
Speaker B:Ja, mich hat das Thema in dem Sinne gefunden, dass mein Vater vor einigen Jahren durch Suizid gestorben ist.
Speaker B:Und ja, das war natürlich, ja, auf so eine Situation kann man sich nicht vorbereiten.
Speaker B:Also es war ein totaler Schock und ich war auch damals zu total überfordert mit dieser ganzen Situation und habe aber eben auch gemerkt, wie mein Umfeld reagiert.
Speaker B:Ja, und habe mir gewünscht, dass wir irgendwie einen leichteren, lebendigeren Umgang mit dem Thema Tod und Trauer finden.
Speaker B:Und habe mich nach diesem Erlebten eben ganz viel mit dem Thema psychische Gesundheit, Trauer und Tod beschäftigt und wünsche mir einfach, dass wir mehr darüber sprechen, dass es eben auch kein tabu mehr ist, darüber zu sprechen.
Speaker B:Und ja, deshalb reden wir auch heute.
Speaker A:Wie war das damals?
Speaker A:Hast du einfach den berühmten Anruf gekriegt oder wie muss ich mir das vorstellen?
Speaker A:Denn wenn ich im Augenblick so manchmal in TikTok gucke, da erzählen auch, ich sag mal, gerade auch jüngere Frauen von dieser Situation.
Speaker A:Da hat sich und ich habe einen Anruf bekommen.
Speaker A:Und wie war das bei dir?
Speaker B:Ja, es war tatsächlich auch der Anruf, der mich sonntags morgens aus dem Bett geworfen hat und in ein neues Leben geworfen hat, also in eine neue Realität geworfen hat.
Speaker B:Ich bin nach Hause gefahren, ich hab versucht, erstmal zu funktionieren, alles zu organisieren.
Speaker B:Du kennst es ist einfach viel zu tun dann in dem Moment.
Speaker B:Es ist so viel Trubel.
Speaker B:Man muss mit Polizei sprechen, mit Kriminalpolizei, mit Bestattungsinstituten und ja, man funktioniert einfach erstmal nur.
Speaker A:Und man hat sich im Endeffekt auch nie darauf vorbereitet.
Speaker B:Genau.
Speaker B:Erst danach habe ich mich ja eben mit diesen Themen beschäftigt, auch mit dem Thema Suizid.
Speaker B:Es gibt ja auch sogenannte Frühwarnzeichen, ja, im Vorfeld.
Speaker B:Menschen, ja, wo das Verhalten von Menschen sich verändert, an dem man eventuell eine Suizidalität erahnen kann.
Speaker B:Und im Nachhinein weiß ich, dass auch mein Vater diese Frühwarnzeichen gezeigt hat.
Speaker B:Es gibt auch viele Mythen, die sich um das Thema ranken.
Speaker B:Also z.b.
Speaker B:glauben viele Menschen auch noch so, ja, wenn ein Mensch darüber spricht, dann tut er das schon nicht.
Speaker A:Oh ja, ja.
Speaker B:Und das ist eben ja leider nicht der Fall.
Speaker B:Wir wissen mittlerweile, dass acht von 10 Menschen ihren Suizid ankündigen.
Speaker B:Und ja, mein Vater hat das tatsächlich auch getan.
Speaker B:Ich habe das damals nicht nicht wahrhaben wollen, vielleicht auch nicht so ernst genommen.
Speaker B:Heute würde ich natürlich anders reagieren, wenn mir ein Mensch sowas, wenn ein Mensch.
Speaker A:Sowas äußerst, dann frage ich auch gerade mal direkt, was würdest du heute tun, wenn das jetzt dein Arbeitskollege oder deine Arbeitskollegin wäre, was würdest du tun?
Speaker B:Also ich würde ganz konkret das Gespräch suchen, ganz direkt und auch ganz konkret.
Speaker B:Möchtest du dir was antun?
Speaker B:Hast du Suizidgedanken?
Speaker B:Also wirklich da keine Scheu haben, das ganz konkret anzusprechen.
Speaker B:Oft wünschen sich Menschen, dass sie auch gesehen werden, dass sie irgendwie Hilfe bekommen.
Speaker B:Manchmal wissen sie gar nicht, was es für Hilfsmöglichkeiten gibt.
Speaker B:Und da wirklich ganz offen ins Gespräch gehen und dann kann man schauen, wie es weitergeht.
Speaker B:Man kann professionelle Unterstützung holen, man kann unterstützen beim Hilfe suchen.
Speaker B:Und da gibt es dann eben auch professionelle Menschen, die dann weiterhelfen.
Speaker B:Aber erstmal ganz wichtig, ganz konkret nachfragen.
Speaker A:Ja, und das kann jeder im Endeffekt von uns so.
Speaker A:Manchmal habe ich ja auch Menschen mitbekommen, die gesagt haben, ich habe mich in dem Moment nicht getraut.
Speaker A:Ich konnte es ja, wusste ja gar nicht, was auf mich zukommt.
Speaker A:Ich konnte es ja nicht stemmen und fühlte mich überfordert.
Speaker A:Aber ich glaube, darum geht es gar nicht.
Speaker A:Darum geht es gar nicht, sondern der andere zeigt mir im Endeffekt, macht so ein kleines Fensterchen auf und die Frage ist, schaffe ich es an dieser Stelle in dieses Fenster reinzugreifen oder in dem Moment einen Kontakt herzustellen.
Speaker A:Früher gab es ja immer diese Western.
Speaker A:Du bist ja jünger als ich, aber möglicherweise hast du auch mal Western geguckt.
Speaker A:Und da gab es immer diese Situation, da fährt die Kutsche in Richtung Abgrund, Abgrund, Abgrund mit der schönen Prinzessin oder wie auch immer darin und da ist der große Reiter und ja, dann reitet der eine ganze Zeit lang nebenher, bis er dann auf einmal den Karren abdrängen kann und dann kann die andere Hilfe kommen.
Speaker B:Ein schönes Bild.
Speaker B:Ja, es ist ja auch oft so, dass Menschen nicht wirklich sterben wollen.
Speaker B:Also das möchte ich auch noch mal sagen, sondern sie möchten eben in dieser Situation, in der sie sich gerade befinden, wo sie keinen Ausweg mehr raus sehen.
Speaker B:In dieser Situation möchten sie oftmals einfach nicht sein.
Speaker B:Und wenn ihnen dann eben diese Hand gereicht wird, wenn dann eben der Reiter nebendran kommt und sagt, hier, ich reiche dir eine Hand, ich mache dir nur ein Gesprächsangebot.
Speaker B:Manchmal reicht es schon.
Speaker B:Natürlich nicht immer, manchmal sind die Situationen komplexer, aber manchmal kann auch das schon mal eine ganz tolle Hilfe sein.
Speaker A:Auf jeden Fall, auf jeden Fall.
Speaker A:Zumal ich habe mich ja auch damals auch als Krankenhauspfarrer mit manchen unterhalten, die den Versuch überlebt haben.
Speaker A:Und dann habe ich natürlich auch gefragt, was hättest du in dem Moment vorher gebraucht?
Speaker A:Und die allermeisten haben ich habe aus meiner Sicht das Fenster aufgemacht, aber auch dann hat keiner reagiert und irgendwann konnte ich nicht mehr.
Speaker A:Also für die meisten ist es wirklich an einem langen Weg der letzte Schritt.
Speaker A:Und die würden gerne was anderes machen, aber sie haben keine, für sich sehen sie keine Option mehr.
Speaker B:Genau das ist es ja.
Speaker B:Ja, und dieses Wissen bringt natürlich auch bei Hinterbliebenen von Suizid ganz schwierige Trauerreaktionen mit sich.
Speaker B:Wir haben gerade wenn wir einen Menschen verlieren durch Suizid, haben wir oft Themen wie Wut.
Speaker B:Ja, warum hat der mich hier alleine gelassen?
Speaker B:Wir haben das Thema Scham, weil es einfach immer noch ein tabubehaftetes Thema ist.
Speaker B:Und wir haben ganz extrem das Thema Schuld.
Speaker B:So viele Hinterbliebene fragen sich, was hätte ich anders machen können?
Speaker B:Warum habe ich das nicht gesehen?
Speaker B:Hätte ich mich anders verhalten, dann wäre es vielleicht nicht passiert.
Speaker B:Oder auch habe ich nicht gereicht?
Speaker B:Hat meine Liebe, unsere Liebe nicht gereicht?
Speaker B:Und das sind natürlich Fragen, die man bei einer anderen Todesart in der Form eben nicht hat.
Speaker B:Es sind Fragen, die ja auch mich in meiner Person ganz stark betreffen.
Speaker B:Und da möchte ich auch gerade jetzt hier im Bereich Unternehmen auch noch mal mitgeben, da auch sehr, ich sag mal, einen sehr liebevollen Blick auf die Trauernden zu haben, weil sie einfach ganz viele komplexe Gefühle und Fragestellungen gerade mit sich rumtragen.
Speaker A:Wenn du gerade das Stichwort Unternehmen ansprichst, wie erlebst du das?
Speaker A:Ich gucke immer auch systemisch drauf.
Speaker A:Das heißt also, in dem Moment, wo ein Betroffener ist, sei es, dass sich der direkte Kollege in Richtung Suizid aufgemacht hat oder möglicherweise ein Vater oder eine Tochter von einem Suizidalen im Team drin ist, dann ist es ja meistens auch das Team betroffen, oder?
Speaker B:Absolut.
Speaker B:Oft herrscht einfach auch eine große Unsicherheit im Team.
Speaker B:Wie gehe ich denn jetzt mit dem Kollegen oder der Kollegin um?
Speaker B:Was kann ich sagen?
Speaker B:Was sollte ich nicht sagen?
Speaker B:Also ich sage immer, Schweigen ist das Schlimmste, was man machen kann.
Speaker B:Also deshalb wirklich ins Gespräch gehen.
Speaker B:Auch zu gucken, ja, wie kann ich da eine Unterstützung sein?
Speaker B:Einfach fragen, was braucht die Person jetzt?
Speaker B:Möchte sie uns allen zum Mittagessen gehen?
Speaker B:Ist es ihr zu viel?
Speaker B:Soll ich ihr das Telefon abnehmen?
Speaker B:Oder manchmal können eben schon so kleine Hilfestellungen super hilfreich sein.
Speaker B:Auf der anderen Seite ist es natürlich für viele Trauernde auch ein wichtiger Anker, die Arbeit, dass sie dort, ich nenne es mal einen trauerfreien Raum haben.
Speaker B:Dennoch wissen ja alle um die Situation.
Speaker B:Und ja, dann einfach gar nicht zu sagen, ist für mich das Schlimmste, was man tun kann.
Speaker A:Ja, in dem Moment werden die auch noch mal Opfer.
Speaker B:Genau.
Speaker A:Aus meiner Sicht.
Speaker B:Ja, also ich kann auch noch mal aus meiner Sicht sprechen.
Speaker B:Als ich, als ich das damals erfahren habe mit meinem Vater, fühlte ich mich komplett isoliert.
Speaker B:Also ich kannte niemanden in meinem Umfeld, der irgendwie schon mal jemanden durch Suizid verloren hat.
Speaker B:Ich habe mich sehr, sehr allein gefühlt.
Speaker B:Ich habe dann noch dieses unsichere Umfeld.
Speaker B:Man spürt es ja, dass die Menschen nicht wissen, wie sie mit einem umgehen sollen.
Speaker B:Und das macht einem oder das isoliert einen ja noch mehr, weil man dann auch noch Rücksicht nehmen muss auf das Umfeld.
Speaker B:Oh, jetzt falle ich den noch zur Last und jetzt will ich auch nicht, dass der sich irgendwie unsicher oder komisch fühlt.
Speaker B:Und das erschwert die Trauer einfach ja noch mehr.
Speaker B:Und deshalb wünsche ich mir einfach, dass wir ein bisschen sicherer werden im Umgang mit Trauernden, dass wir Ängste abbauen und dass wir Trauernde eben nicht alleine lassen in ihrer Trauer, weil sie fühlen sich eh schon alleine.
Speaker A:Wobei ich glaube, ich würde es gar nicht sicherer nennen.
Speaker A:Ich würde es in dem Moment gerne eher entspannter nehmen, denn die meisten sind, erlebe ich, derartig angespannt.
Speaker A:Das eine ist so ich darf nichts falsches sagen.
Speaker A:Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt.
Speaker A:Und man muss ja auch bedenken, ich stelle jetzt einfach mal eine Zahl in den Raum, aber 2/3, in Deutschland hatten mit Sicherheit auch den Gedanken schon mal.
Speaker A:Und möglicherweise wird ja in dem Moment was angetriggert.
Speaker A:Ja, so im Sinne von, wenn ich darüber rede, wenn ich mich mit dem anderen beschäftige, der das gemacht hat, wird da möglicherweise auch meine Situation noch mal fröhlich urständ feiern.
Speaker B:Ja, da könntest du recht haben.
Speaker B:Trauer bringt natürlich auch immer eigene Themen hoch und eigene Erfahrungen mit sich.
Speaker B:Und deshalb finde ich deinen Begriff entspannter, ein entspannter Umgang miteinander finde ich sehr schön.
Speaker A:Du hast in dem Vorgespräch ja gesagt, du warst in dieser Situation gerade dabei, dich selbstständig zu machen.
Speaker A:Das heißt also gerade kurz vorher oder kurz danach gekündigt.
Speaker A:Wie geht man in so einer Situation jetzt auf Jobsuche.
Speaker B:Es war sehr sehr schwierig.
Speaker B:Also die ersten Monate habe ich tatsächlich damit verbringen müssen mein Elternhaus auszuräumen, was ja auch noch mal eine emotional sehr schwierige Situ ist und ich hatte da tatsächlich keine Energie für, irgendwie meine Selbstständigkeit voranzubringen und habe mich dann aber nach einiger Zeit entschieden mir wieder eine ja ganz normale Anstellung zu suchen, weil ich auch gemerkt habe, dass ich wieder Struktur brauche, dass ich wieder diesen trauerfreien Raum brauche, wo es einfach um was ganz anderes geht und ja wo mein Fokus wieder auf mir und der Arbeit liegt.
Speaker B:Und ja dann habe ich ja mich aufgerafft, irgendwie meine ganze Energie zusammengepackt und Bewerbungen geschrieben und das war am Ende sicherlich auch ein bisschen Glück dabei, dass ich dann doch relativ schnell dann wieder in eine Anstellung gekommen bin, aber es kostet natürlich unglaublich viel Energie.
Speaker A:Jetzt frage ich aber auch noch mal für die anderen, was uns zwei ja verbindet sind z.B.
Speaker A:die Wirtschaftsjunioren.
Speaker A:Das heißt also ich gehe nicht davon aus, dass du irgendwo eine Tätigkeit am Band, wo du A nach B geschoben hast oder C nach d und dann darauf gesetzt hast, sondern du hast ja etwas anspruchsvolleres gesucht.
Speaker A:Wie geht man mit sich selbst in diesem Moment um, wenn man eigentlich eine Träne im Auge hat und gleichzeitig sich bestmöglich verkaufen muss?
Speaker B:Auch eine schwierige Situation.
Speaker B:Ich habe mir versucht kleine Ziele zu setzen, also ich habe mir auch aufgeschrieben, so ich schreibe jetzt diese Woche mal eine Bewerbung, nächste Woche mal zwei Bewerbungen, habe da eben versucht mich ganz langsam ran zu tasten und ich habe dann ja gut, was will man machen?
Speaker B:Also ich habe versucht mich irgendwie zusammenzureißen und in dem Moment zu funktionieren, um dann, weil ich ja wusste wofür ich, wofür ich es mache, dass ich einfach wieder, es war ja schon auch mein inneres Ziel jetzt wieder irgendwie Struktur im Leben zu haben.
Speaker B:Und weil du es ansprichst, die Wirtschaftsjunioren, ich muss jetzt gerade an eine Situation denken, es war glaube ich eine Woche nach dem Tod meines Vaters, da hatten wir einen ganz wichtigen, ganz wichtige Veranstaltung der Wirtschaftsjunioren, zu der ich mich vorher angemeldet hatte und das, ich wollte auch dahin gehen und ich war auch da, weil es mir irgendwie einfach einen Raum gegeben hat, wo alles wieder normal war, weißt du, irgendwie mein ganzes Leben war aus dem Angeln gehoben und da war aber erstmal alles wieder normal und das war total wichtig diese Stütze zu haben.
Speaker A:Da hake ich aber jetzt doch noch mal nach.
Speaker A:Es gibt ja so manche, jetzt unabhängig jetzt von den Wirtschaftsjunioren, die sagen, ich kann doch nicht montags die Beerdigung haben und samstags auf eine Fete gehen.
Speaker A:Wie war das?
Speaker A:Für dich in dem Moment oder war da in dem Moment eher so der Punkt, hier komme ich zu meinen Freunden und aussenrum lassen wir mal Gott ein guter Mann sein.
Speaker B:Also wenn mir jemand sowas sagt, sage ich immer, doch, genau das darfst du auch und das braucht man auch.
Speaker B:Also ich habe es total gespürt, wie sehr ich es gebraucht habe, einfach mal wieder Normalität zu haben, wo es kein Thema ist.
Speaker B:Und ich finde es ganz wichtig, gerade in der akuten Trauerzeit, dass es wie eine Art Pendel ist.
Speaker B:Man kann nicht einfach 24 Stunden in Trauer sein.
Speaker B:Man braucht auch mal wieder andere Gefühle, sonst, glaube ich, überlädt das ganze System.
Speaker A:Absolut, absolut.
Speaker A:Ich hatte neulich die Frage gestellt, wo ist die Grenze zwischen Trauer und Depression?
Speaker A:Und ich glaube, Trauer ist wirklich ein normaler Prozess, ist keine Krankheit.
Speaker A:Auch wenn Trauer mittlerweile eine ICD Nr.
Speaker A:Hat, was ich mit sehr gemischten Gefühlen sehe und gleichzeitig Depression, dann ist von vornherein klar, dann reden wir über einen Psychologen, über möglicherweise Medikamente mehr.
Speaker A:Und ich glaube, eine gute Trauer braucht keine Medikamente.
Speaker A:Die braucht vielleicht Medikamente für die Beerdigung.
Speaker A:Da habe ich auch früher als Gemeindepaar jedem dazu geraten, es ist keine Schande, dass ich an dieser Stelle was vom Arzt und wenn es Johannes und so weiter und so fort ist, sich geben zu lassen, um einfach diese Situation zu überleben.
Speaker B:Ja, das stimmt.
Speaker B:Ja, und das geht am Anfang ja tatsächlich auch ein schöner Begriff, ums Überleben, weil man funktioniert einfach.
Speaker B:Und gerade die ersten Wochen, gerade auch nach so einer schwierigen Todesart, ja, da überlebt man einfach.
Speaker B:Und dieses Überleben, da braucht es eben aber auch mal Abwechslung.
Speaker B:Es kann nicht immer nur dieser eine Modus sein.
Speaker B:Ich bin ja auch noch Trauerrednerin und ganz oft erlebe ich es, dass ich in angehörigen Gesprächen sitze und mir lustige Anekdoten erzählt werden und die Angehörigen dann sagen, huch, jetzt habe ich ja gelacht, ist das jetzt hier überhaupt angebracht?
Speaker B:Ich so, ja, das war doch lustig.
Speaker B:Und lasst uns doch auch diese Gefühle da sein.
Speaker B:Also dass sie diese Gefühle da sein dürfen.
Speaker A:Ja, zumal der Tod, hat er hoffentlich ein Leben vor dem Tod gehabt.
Speaker B:Ja, genau.
Speaker A:Also ich sag mal, bisschen süffisant, ja, also der war ja auch oder sie war ja auch nicht immer nur niedergedrückt.
Speaker B:Ja, richtig.
Speaker A:Wie würdest du im Augenblick, oder was würdest du im Augenblick z.B.
Speaker A:auch einer Führungskraft raten?
Speaker A:Ich hatte vor kurzem einen Anruf einer Geschäftsführerin und die du, also wir kennen uns schon länger, du, ich habe eben gerade einen Anruf von der Ehefrau eines Mitarbeiters gehabt, der hat ihn heute morgen auf dem Speicher gefunden.
Speaker A:Wie sage ich das den Mitarbeitern?
Speaker A:Sage ich an dieser Stelle überhaupt, der hat einen Suizid?
Speaker A:Oder gehe ich als Unternehmer oder als Führungskraft erstmal nur von einem Unfall aus?
Speaker A:Denn es wäre ja fatal, wenn ich das bestätigen würde und die Familie, das war aber ein Unfall.
Speaker A:Weh, du sagst was anderes.
Speaker B:Genau, also ich würde natürlich immer erst mit der Familie sprechen, was da überhaupt kommuniziert werden darf, soll.
Speaker B:Und dann, wenn es in Ordnung ist, zu kommunizieren, dass ein Kollege, eine Kollegin durch Suizid gestorben ist, dann würde ich das Gespräch mit meinen Mitarbeitenden, mit dem Team suchen.
Speaker B:Und ich würde das, wenn möglich, immer persönlich machen.
Speaker B:Also nicht, man kennt, ich höre es leider immer noch sehr häufig, die Rundmail, die e Mail, ach, unser Kollege, Kollegin so und so ist verstorben.
Speaker B:Ja, und das ist einfach sehr, sehr fatal, wenn man das macht, weil man weiß einfach nicht, wen betrifft es, wie reagieren meine Mitarbeitenden, wie reagiert das Team?
Speaker B:Und als Führungskraft sollte ich da einfach eine gewisse Stütze sein.
Speaker B:Also ich sage auch immer als Führungskraft, wenn ich sowas höre, bin ich natürlich auch erstmal betroffen.
Speaker B:Das heißt, erstmal durchatmen, sich wieder sammeln und in dieses Gespräch gehen.
Speaker B:Und dann darf man auch da sagen, auch als Führungskraft, ich weiß gerade nicht weiter, ich wollte euch informieren, habt ihr Gesprächsbedarf, wie wollen wir damit umgehen?
Speaker B:Wir schauen jetzt erstmal die nächsten Tage, wie es weitergeht.
Speaker A:Ja, zumal der Umgang an dieser Stelle ist auch von vornherein ein Teil von, wir kennen es eher aus dem HR Bereich, Employer Branding, denn jeder guckt natürlich erstmal, was sagt jetzt die Führungskraft im Blick auf denjenigen, der da unten liegt.
Speaker A:Denn ich könnte es ja auch sein.
Speaker A:Sprich, was würde der sagen, wenn ich da unten liege?
Speaker B:Das stimmt.
Speaker A:Möchte ich das so hören?
Speaker A:Ja, nein oder vielleicht auch doch.
Speaker B:Ja, und ich finde, das ist einfach eine ganz, ganz wichtige Situation, wo man eben auch Mitarbeitende, wie du sagst, für sich gewinnen kann oder auch sich ganz weit, oder Mitarbeitende ganz weit von sich wegschieben kann, wenn eben nicht gut kommuniziert wird.
Speaker B:Wie gesagt, wenn einfach die Rundmail kommt und da gar kein Verständnis oder eine Sensibilität dafür da ist, was macht das eigentlich mit den Menschen, die hier arbeiten, die Beziehungen ja auch zueinander haben.
Speaker B:Und wir wissen nie, wer da welche Beziehungen hat, wer sich jeden Mittag getroffen hat, in der Kaffeeküche getroffen hat.
Speaker B:Das dürfen wir nicht unterschätzen in Unternehmen und Strukturen.
Speaker A:Also ich weiß von einer Situation, dann gab es vier Kündigungen in einem Umschlag.
Speaker B:Ja, nachvollziehbar.
Speaker A:Ja, die Führungskraft war zwar total schockiert nach dem Motto ich habe doch gar nichts Böses getan.
Speaker A:Das war ja vielleicht genau das Problem.
Speaker A:Wie gesagt, ich kenne nur die eine Seite der Geschichte, aber ja, und das.
Speaker B:Sollten Unternehmen sich natürlich überlegen, ob sie, ja, das ist natürlich am Ende auch eine Kostenfrage, ob sie das einfach in Kauf nehmen möchten oder ob sie nicht einfach eine Kultur und dabei ist Trauerkultur ja ein Teil der Unternehmenskultur, ob sie eine Unternehmenskultur schaffen wollen, wo es halt um Wertschätzung, um Miteinander geht, wo Menschen sich wohlfühlen und wo, ja, wo sich Menschen dann am Ende auch gesehen fühlen.
Speaker A:Auf jeden Fall.
Speaker A:Zumal wir wissen es von allen Seiten, Mitarbeiter, neue Mitarbeiter wachsen nicht auf den Bäumen.
Speaker A:Denn selbst wenn ich Geld in die Hand nehmen würden wollte.
Speaker A:Reifen nackt in die Taschen.
Speaker B:Genau.
Speaker A:Nun bist du jetzt noch im Großraum Köln.
Speaker A:Wir sind hier im Großraum zwischen Mannheim und Frankfurt, da sieht es noch ein bisschen anders aus.
Speaker A:Aber wenn ich dann möglicherweise etwas ländlicher gehe und dann Spezialisten suche, das wird schwierig.
Speaker B:Dann sollte man lieber die Mitarbeitenden gut behandeln und ein bisschen Geld in die Hand nehmen für Kulturentwicklung, anstatt ständig neue zu suchen.
Speaker A:Ja, also bei uns gibt es ja den Trauermanager.
Speaker A:Das heißt also, es gibt von vornherein die Führungskraft kann notfalls die Nacht um 2 Uhr in ihr Handy gucken, kennt den möglichen Handlungsablauf, z.B.
Speaker A:bei Suizid, an was muss ich denken, welche Möglichkeiten habe ich auch die Mitarbeiter zu unterstützen?
Speaker A:Sprich, ich sage zu dem du brauchst jetzt hier nicht zum Arzt zu gehen, dich krankschreiben zu lassen, sondern komm, bleib einfach mal zu Haus.
Speaker A:Man kennt ja auch sonst deine Pappenheimer, die montags und freitags und so weiter und so fort, aber dürfen wir dich mal anrufen?
Speaker A:Dann wird jeder sagen, ich fühle mich geehrt und fühle mich gesehen.
Speaker A:Natürlich darfst du mal anrufen.
Speaker A:Und wenn es heiß jo, Bier ist Bier und Schnaps ist Schnaps.
Speaker A:Heu leise.
Speaker A:Dann sage ich okay, ich kann auch auf einer anderen Party heulen.
Speaker A:Wir hatten vorhin noch mal so diese Kennzeichen.
Speaker A:Was würdest du hauptsächlich sagen, was wären Kennzeichen bei einem Kollegen oder bei einer Kollegin, die möglicherweise in diese Richtung geht?
Speaker A:Auf was sollte ich achten?
Speaker B:Also ich sage immer, dass man auf jeden Fall auf Verhaltensänderungen achten sollte.
Speaker B:Also wenn Menschen, die sonst sehr ruhig sind, auf einmal aktiv werden, wenn man das Gefühl hat, Menschen fangen an aufzuräumen, Dinge zu erledigen, wenn das irgendetwas gibt, was nicht in das typische Verhaltensmuster passt.
Speaker B:Und wenn dann natürlich noch so Andeutungen kommen, dass, ja, dass man ein bisschen lebensmüde ist, dass es irgendwie alles so sinnlos ist, dann sollten auf jeden Fall die Alarmglocken angehen und das Gespräch suchen.
Speaker A:Und dann am besten, wenn man das gezeigt bekommt, direkt und nicht warten.
Speaker B:Genau.
Speaker A:Dann gibt es aber dann diese Situation, dass der andere auf einmal wieder ganz normal.
Speaker A:Da müssten doch die Alarmglocken am lautesten klingeln, oder?
Speaker B:Ja, es ist, man sagt so kurz vor dem Suizid, dass Menschen dann ein Hochgefühl bekommen.
Speaker B:So, sie haben die Entscheidung getroffen.
Speaker B:So, es ist ganz klar, ich möchte nicht mehr leben.
Speaker B:Und dann fühlen die sich auf einmal wieder gut.
Speaker B:So, und dann ist es meistens so, dass das dann halt kurz bevorsteht.
Speaker A:Und da muss man natürlich auch auf der anderen Seite sagen, wenn es soweit ist, nutzt die beste Ansprache teilweise nicht mehr.
Speaker A:Und man kann sich nachher vielleicht vorwerfen lassen, bin ich rangegangen?
Speaker A:Aber wenn man rangegangen ist und doch nichts mehr verändern konnte, wir können nicht alles.
Speaker B:Nein, das stimmt.
Speaker B:Ja, und auch wenn man nicht rangegangen ist, also ich finde, dieses Schuldthema ist so massiv bei Suizid.
Speaker B:Wir können nur so handeln in dem Moment oder so gut handeln, wie wir es können.
Speaker B:Also auch wenn ich, ich habe natürlich auch oft über die Situation nachgedacht und ich erlebe es auch bei anderen Suizid Hinterbliebenen, dass man sich heute, nachdem man sich eben viel damit beschäftigt hat, weiß ja, okay, in der und der Situation hat er das und das gesagt, da hätte ich anders drauf reagieren können.
Speaker B:Aber in dem Moment wusste man es einfach nicht anders.
Speaker B:Und wir haben so gut gehandelt, wie wir es konnten.
Speaker B:Und da darf man sich einfach dann auch keine Vorwürfe machen.
Speaker A:Also die sind nicht in dem Maße berechtigt.
Speaker A:Denn dann kannst du ja nur noch, kannst du ja nur noch als Trüffelschweinchen rumgehen nach dem Motto, wo habe ich erst eine Suizidsituation?
Speaker A:Also da wird es ja nur noch, wie gesagt, abartig.
Speaker B:Das stimmt, ja, das wäre ganz wichtig, das noch mal auch zu sagen.
Speaker A:Also klar, das Thema was ist mein Eigenanteil?
Speaker A:Das gibt es sicherlich gerade auch in Mobbing Situationen.
Speaker A:Da kann man sicherlich von der Schuld reden, muss man auch von der Schuld reden.
Speaker A:Aber im allgemeinen Lebensvollzug will ich auch noch leben.
Speaker B:Ja, ich sage einfach ein bisschen achtsam sein mit den Menschen, mit denen man sich umgibt und da sensibel sein.
Speaker B:Und ich glaube, dann ist schon ganz, ganz viel getan.
Speaker A:Ich sag mal ganz, ganz herzlichen Dank, liebe Hörerinnen und Hörer.
Speaker A:Wenn ihr uns zugehört habt und noch die ein oder andere Frage habt, unten in den Shownotes werde ich die Kontakte sowohl von Katharina als auch mir verlinken.
Speaker A:Wenn ihr im Augenblick gerade im Auto seid und nichts zu schreiben habt, einfach dran podcastrauer manager de, das erreicht uns auf jeden Fall und dann gebe ich es gerne auch weiter.
Speaker A:Ich danke euch fürs Zuhören, empfehlt es gerne weiter.
Speaker A:An der Stelle sage ich nur, vor fast sieben Jahren habe ich meinen letzten Podcast zum Thema Suizid gemacht.
Speaker A: interviewt, das war im Sommer: Speaker A:Und mein Freund sieht den ICE.
Speaker A:Mein Freund hat den ICE gesehen und ich sehe den ICE.
Speaker A:Und diese Folge, den Podcast gibt es eigentlich seit vier Jahren nicht mehr.
Speaker A:Die wird jede Woche noch fünfmal runtergeladen.
Speaker A:Und deshalb Leute, redet nicht, schweigen.